Graubünden

Mein Leben in der Bündner Bergwelt – die Sprache

25/08/2013
Hoi ihr Lieben!

So kurz vor Ende meines Aufenthalts hier in Chur gibts dann noch flott die Geschichte vom Bündner Dialekt und mir. So leicht wars nämlich nicht, hier alles auf Anhieb zu verstehen. Zwei, drei Monate nachdem ich hierher gezogen bin, hat mich eine liebe Freundin besucht. Nachdem ich sie vom Bahnhof abgeholt habe, waren wir noch flott zusammen beim Bäcker um `Brötli und Gipfeli` zu `poschte` und während ich mit der Verkäuferin redete, sehe ich so im Augenwinkel, wie sich das Gesicht meiner Freundin zu einem einzigen Fragezeichen verzieht. So gings mir ganz am Anfang auch – aber mit der Zeit wurds dann zum Glück besser.

Mein Lieblingswort war schnell gefunden, in irgendeinem Zusammenhang hab ich von einer Bauherrin den Ausspruch `i bin a klina Pfupfihaas` gehört und ich war spontan verliebt. Pfupfihaas bedeutet Angsthase und klingt so fein, oder? Ist auf jeden Fall fester Bestandteil meines Wortschatzes geworden, wenn auch nicht allzuoft in gebrauch. Vielleicht sollt ich ein wenig ängstlicher werden.

Handy sag ich auch schon gar nicht mehr, das ist jetzt ein `Natel`. Oder ich habe `a uh hure puff uffm Tisch` wenn sich die Papier`biegeli` stapeln, ich trink zum `Z`nüni` einen Kaffee, abends ein `Panache` (Alster oder Radler) mit nem `Röteli`, ich esse Capuns, Salsiz, Cervelat, Gerstensuppe und Bündner Fleisch. Zum Nachtisch dann Rüeblikucha, Nusstorte und Birrebrot, `i gang go käffele` wenn ich mich mit Freunden auf einen Kaffee verabrede, `i gang go lädele` wenn ich Klamotten kaufen geh, `i poschte` wenn ich Lebensmittel einkaufe, ich streichle meine Büsi, `i han a hure seich gmacht` wenn ich Mist gebaut hab, `i mag dure` wenn ich etwas schaffe, ich fahre `velo` wenn ich Fahrrad fahre und `i springe` wenn ich laufe und ach ja! `Uff Wiedaluaga`! Ach Gott hab ich gedacht, was sagen die denn da? Ich habs partout nicht verstanden. Nicht nur den ersten Tag nicht, nein, auch die erste und bestimmt auch die zweite ganze Woche nicht. Und wenn ich ehrlich bin, hats noch länger gedauert, bis ich geschnallt hab, dass `luaga` gucken/sehen ist und so `uff wiederluaga` auf Wiedersehen heißen soll… ich Depp! So. `I studiere` wenn ich nachdenke, `i lose` wenn ich höre, ich finde, dass manche Wörter komisch `tönen` und ich frage nach einem `Nastüechli`, damit ich wieder richtig `schmöcka` kann. Ich find viele Dinge `mega fein`, nenne Bonbons `Zückerli` und Nudeln `Teigwaren`. Und wenn ich noch Taschengeld bekommen würde, würd ich Zuhaus `ahlütte`, damit mein `Sackgeld` erhöht werden würde – denn das bräuchte ich für das `Dutschauto` (Autoscooter) auf der `Määs` (Kirmes oder Jahrmarkt). Jaja. Und so könnte die Auflistung ewig weitergehen…
Ungewohnt war am Anfang auch die ab und an für mich sehr harte Sprache. `Isch was fürs Muul` was so viel bedeutet wie ein kleiner Happen für den Geschmack oder `des schiiießt ah!` von der Kollegin zu hören, war erstmal seltsam. Doch jetzt find ich `was n Kack`, `tua nit so dumm` oder `huare seich` schon total normal. Irgendwie… beunruhigend. Wer weiß, wie die Osnabrücker meine neuen Sprachqualitäten so finden.

So. Isch alles guat? Hesch alles verstanda? Guat und danka fürs zulose!

A schöna Obig un as liabs grüassli!
Ciao moi merci und ade.

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8 Comments

  • Reply mme ulma 25/08/2013 at 20:24

    wunderbar, liebe julika. das schweizerische ist mir vermutlich nicht ganz so fremd wie dir ursprünglich, aber doch fremd genug, um vieles nicht aufs erste mal zu verstehen und auch auf die folgenden male nicht zwingend (wobeis geschrieben einfacher ist als gehört). eine gute abschiedszeit dir in der schweiz!

  • Reply fRau käthe 25/08/2013 at 20:52

    ach …. ich mag diesen dialekt geRn.
    wie eR in osna ankommt. da bin ich miR unsicheR. doRt wiRd am schon als schleswig-holsteineRin mit eineR gelegendlich bReiten ausspRache schief angeguckt. also: eRfolg diR. :)
    liebe gRüße. käthe.

    • Reply Julika | 45 lebensfrohe Quadratmeter 27/08/2013 at 15:06

      Ach… sind sie so, die Osnabrücker? Ich gehe mal lieber erst vom Besten aus… schon seltsam, manchmal das Gefühl zu haben, so richtiges gutes deutsch verlernt zu haben…

  • Reply stefi b. 26/08/2013 at 8:18

    hahahaha – das mit der sprache kann ich mir gut vorstellen! mein herr m. kommt ja aus dem süddeutschen und bei ihm zu hause sprechen alle alemannisch und die oma sogar mit schweizer einschlag. das ist für mich immer ein bisschen schwierig. umso mehr bewundere ich dich, dass du hier auf dem blog weiterhin so schön hochdeutsch schreibst. :)
    herzliche grüße
    die frau s.

  • Reply ninjassieben 26/08/2013 at 8:31

    Ich liebe den Schweizer Dialekt… das mag ic hso gern, wenn ich da im urlaub bin.
    Liebe Ninjassiebengrüße

  • Reply Anonymous 26/08/2013 at 10:38

    Moin liebe julika, ähnlich ist es wenn “ wie platt snacken, dann kuernt annere auch en hante nich olles verstaun“. Alles gute deine Mama!

  • Reply Sabine Heimelig 28/08/2013 at 7:31

    Herrlich ist dieser Post. Man hört eigentlich heraus, wie liebgewonnen das ein oder andere schon ist. Ja und den Pfupfihaas, den mußt du unbedingt mit nach Osnabrück nehmen ;-). Ich wünsche dir eine schöne Restzeit und einen tollen Neuanfang. Liebste Grüße zu dir, Sabine

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