Wie das so ist.
Eigentlich wollte ich für heute einen genialen Beitrag über meine mir selbst auferlegte Shopping-Abstinenz-für-fünf-Monate schreiben. Eigentlich wollte ich weniger Schokolade essen. Eigentlich auch weniger Alkohol trinken. Und eigentlich wollte ich auch nicht mehr so viel arbeiten, zehn Stunden Tage eher eine Ausnahme sein lassen als die Regel. Eigentlich wollte ich mich disziplinieren und die Arbeit nicht so nah an mich rankommen lassen, eigentlich wollte ich weniger harsch zu den Kollegen sein, die schonmal ein nein ertragen müssen, wenn ich eigentlich schon längst beim nächsten Termin sein müsste. Eigentlich wollte ich den Herbst mehr genießen, durch die Wälder spazieren und Fotos der verfärbten Welt machen. Eigentlich hätte das bestimmt ein riesen Spaß sein können.
Eigentlich wollte ich kein Essen mehr bestellen, eigentlich auch mal auf den Wochenmarkt gehen und wieder mehr kochen. Eigentlich mag ich Selbstgekochtes richtig gern. Und eigentlich kann ich auch kochen. Eigentlich wollte ich mich nicht stressen lassen von Geburtstagen und Hochzeiten von Freunden, die ich gerne mag und für die ich eigentlich auch ganz wunderbare Geschenke besorgen und Karten selbstmachen wollte. Eigentlich wollte ich die Sache mit dem schlechten Gewissen in den Griff bekommen, wofür ist das eigentlich gut? Eigentlich wollte ich mehr Tee und weniger Kaffe trinken, mehr Obst und weniger Schoki essen, eigentlich wollte ich auch nachdenken, bevor ich handele. Nur: so ganz in echt schaff ich das eben nicht immer.
Eigentlich wollte ich heut um neun im Bett liegen und jetzt ist es elf, eigentlich wollte ich mir keine Arbeit mit nach Hause nehmen – und erst recht nicht übers Wochenende. Eigentlich wollte ich da in die Stadt und zum Sport und mein erstes freies Wochenende seit Monaten genießen. Eigentlich will ich so einiges. Wie tolle Fotos für den blog machen, Geschichten schreiben, die bewegen, aus dieser nullachtfuffzehn Welt ausbrechen, meine eigene erschaffen und endlich merken, dass ich da gar nicht so schlecht drin bin.
Eigentlich könnte alles so toll sein. Warum ist es das dann nicht?
Eigentlich genieße ich jede Sekunde, jede Sekunde mit Freunden, Familie, Arbeit, jede Sekunde im Leben. Eigentlich liebe ich den ganzen Stress, die knappe Zeit, das vergessen und wieder dran denken und ein schlechtes Gewissen bekommen wegen Dingen. Eigentlich mache ich mehr Sport als früher, ernähre mich gesünder, bestelle weniger und trinke (meistens) weniger Alkohol. Und eigentlich bin ich doch grad dabei, einen Beitrag für meinen blog zu schreiben. Macht es mir eigentlich was aus, den ganz ohne Bild zu veröffentlichen?
Eigentlich nehme ich mir die Freiheit, morgens erst um halb neun auf der Arbeit zu sein, wenn ich am Abend ewig da war, eigentlich beginne ich tatsächlich jeden Morgen – zwar mit dicken Augen – aber auch einem Lächeln auf den Lippen.
Es könnte alles so toll sein. Und eigentlich ist es das auch. Alles nur eine Sache der Perspektive.
Eigentlich eigentlich eigentlich.
Was haltet ihr eigentlich von dem (doofen) eigentlich?
Liebe Grüße! Julika
Meine Perspektive ist sich übrigens sicher, dass ich eigentlich schon längst im Bett sein sollte und dass das Glas halbvoll ist. Wenn nicht gar dreiviertel. Eigentlich…




16 Comments
eigentlich finde ich das eigentlich wichtig, um den möglichkeitssinn zu bewahren.
und eigentlich finde ich, dass man ihn zum maßstab nehmen sollte, als leitstern für viele kleine schritte.
eigentlich mache ich das auch. so ganz echt.
Eigentlich sollte ich das eigentlich also ein wenig mehr schätzen meinst Du? Das werde ich mal versuchen… :)
Ha, nenne mich die Queen des „eigentlich“. Leider!
Wir sollten alle zusammen dieses leidige „eigentlich“ über Bord werfen!!
Liebe Grüße
Jutta
Eigentlich könnten wir das wohl mal versuchen, find ich. Eigentlich. ;)
Wie Ulma schon so klug schrieb: Das eigentlich nutzen um die inneren Wünsche zu entdecken, finde ich eigentlich wichtig.
Aber das wirklich Wichtige ist doch eigentlich, trotzdem glücklich zu sein. Ob man die Ziele und Wünsche nun immer erreicht oder nicht. Und so klingt es eigentlich bei dir und das ist wunderbar.
Hab noch eine schöne Woche, liebste Grüße
Eva
Wie schön, dass Du das aus dem Text rausliest! Und ja, so hat das eigentlich direkt eine noch tollere Bedeutung bekommen. Find ich eigentlich gut. :)
Eigentlich macht das Leben einerseits so leicht, wenn man den Moment schätzt, dass das Eigentlich nicht eingetreten ist. Andererseits sind da diese beißenden Gedanken, dass man eigentlich etwas anderes anders tun sollte, das aber möglicherweise nicht ganz so schön ist. Die Momente genießen (auch die stressigen, es kommen ja eh wieder ruhigere Zeiten) und nehmen wie sie kommen, dann braucht es weniger „eigentlich“.
Mach es gut! <3
Ja. Versuchen alle Momente zu genießen ist das Ziel. Ich arbeite dran. ;)
Liebe Grüße!
Eigentlich klingt es so, als wenn du liebst was du tust, wenn da nur mehr Zeit für all die schönen anderen Dinge wäre. Eigentlich klingt es so, als wenn du mehr Freizeit und mehr Zeit für dich hättest. Eigentlich ist eigentlich. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das ändert sich eigentlich eher ungern. Magst du dich gerade so wie du bist und wie du handelst oder möchtest du eigentlich etwas ändern? Dann fang vielleicht mit einer Sache an und nicht mit so vielen auf einmal. Ich weiß, das schreibt sich hier so lockerflockig und die Umsetzung ist schwierig. Nur wenn man sich zu viel vornimmt, wird die Umsetzung recht unrealistisch, weil der Berg an Veränderungen zu groß ist. Und eine Veränderung umzusetzen ist das eine. Sie auf Dauer in den normalen Alltag einzubauen und auch dort zu behalten, eine völlig andere. Ich merk es gerade bei mir selbst wieder. Eigentlich habe ich bewusst eine 3/4-Stelle und das aus diversen Gründen. Eigentlich. Danke fürs Dranerinnern! Ich versuch mich an mein eigentlich zu erinnern und Morgen mehr als pünktlich zu gehen. Denn eigentlich habe ich mehr als genügend Stunden angesammelt.
Das war nun mehr als ich anfangs dachte. Aber hin und wieder sprudeln die Worte einfach so und was ich eigentlich sagen wollte: Toller Text!!!
Liebe Grüße,
Frauke
Ja, genau. So ist’s. Und ich versuch mich immer wieder auf’s Neue dran zu erinnern, dass zuviel auf einmal einfach nicht funktioniert. Und manchmal schieße ich dabei eben über’s Ziel hinaus. ;)
Eine 3/4 Stelle klingt traumhaft – darauf arbeite ich hin! :)
Viele liebe Grüße! Julika
Eigentlich sollten wir auf diesen Post anstoßen, wenn ich die Fotos so sehe, fühle ich mich eigentlich eingeladen und dann reden wir weiter über das , was wir eigentlich wollen.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Liebe Grüße
Cora
Eigentlich (und uneigentlich) bist Du jederzeit herzlich willkommen, um über das zu reden, was wir eigentlich wollen. Osnabrück ist auch echt ne ganz hübsche Stadt! ;)
Liebe Grüße!
Eigentlich mag ich das Wort eigentlich gar nicht so gerne, benutze es aber in fast jedem zweiten Satz.
Eigentlich sollte ich jetzt ins Bett gehen, kann mich aber nicht von meinem Glas Wein und dem Fernseher losreißen. Was eigentlich ganz gemütlich ist, wenn ich es recht bedenke…
In diesem Sinne…ein wunderbarer Post. Alle Daumen hoch!
Liebe Grüße, Kerstin M.
Wein und Fernsehen klingen doch gar nicht so schlecht – eigentlich ist das Genießen ja auch das Wichtige. ;)
Danke Dir Kerstin! Viele Grüße!
Ein sehr schöner Beitrag, liebe Julika! Das Wörtchen eigentlich sagen wir so oft und es ist auch wichtig, dass wir es verwenden, da uns dann bewusst wird, dass wir eigentlich den Moment genießen sollten, das hier und jetzt! Denn unser Gefühl sagt uns schon, was wir gerade brauchen, auch wenn wir eigentlich gerne selbst gekocht hätten aber uns jetzt gerade einfach nach Pizza bestellen ist! ;-) Also enjoy the moment, every day, every year, a lifetime! Lebensfrohe Grüße, Simone
Den Moment genießen, ja, das ist wohl die Quintessenz hinter allem… ob mit Selbstgekochtem oder Pizza. ;)
Viele Grüße!!